Damit fing alles an. Im März 2015 eröffnete in unserer Nähe eine neue Gärtnerei, die auch Ackerparzellen zum Mieten anbot. Und weil ich - als bisherige reine Balkoninhaberin - schon immer mal wissen wollte, wie das mit dem Anbau eigener Lebensmittel in richtiger Erde funktioniert, habe ich sofort eine Parzelle gebucht und nach unserem Kaninchenherrn Herrn Schnuffel benannt.

Anfang Mai bekamen wir dann unsere Parzellen übergeben und sie sahen noch reichlich "ungenießbar" aus, denn es war nichts zu sehen und - ehrlich gestanden - die erste Enttäuschung groß. Der Laie hat halt keine Ahnung.  Und so trampelten wir selbst, entlang einer Kordel zwischen Namensschild und Markierung am andere Beetende unsere Laufwege zwischen den Parzellen. Abenteuer pur. Ich konnte gar nicht glauben, dass ich jetzt für sechs Monate verantwortlich für ein 45 m² großes Stück Erde sein soll, welches uns beide mit gutem Futter versorgt.

 

Immerhin standen wenigstens "vorne" schon mal Schilder, was im Laufe des Jahres wo wachsen würde - auch wenn es zu diesem Zeitpunkt noch sehr unglaubwürdig schien. Dafür reichte meine Vorstellungskraft nicht aus.

 

Nun gut - 35 Sorten Gemüse und zwei Blumenreihen als Bienenlockmittel (wichtig für die Blütenbestäubung und damit für eine reiche Ernte!) überfordern den Gartenneuling zu Anfang halt auch. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich bei so einigen Gemüsen auch echt so gar keine Ahnung, wie die auf dem Feld aussehen und welches Format sie erreichen würden. Denn bis dato war ich zwar sehr interessiert an Lebensmitteln und kannte auch fast alle Gemüse - doch wer von uns hat schon mal bewusst Rübstiel oder Mairübchen oder Broccoli "live" wachsen sehen? Mir jedenfalls war das alles sehr neu...

 

Doch dann ging es ganz schnell: Die erste Ernte bestand aus....diesen drei Radieschen. Ganze 3 (!!!) Stück. Wir haben sie liebevoll gewaschen und dann gütlich unter zwei Personen aufgeteilt.

Was kaum zu glauben war: Der Geschmack war anders. Frischer und knackiger - das war ja erklärlich. Doch eben auch sehr besonders. Nach eigener Arbeit und nach "unserer" Erde. Total klasse und eine ganz intensive Erfahrung. So sollte es uns im Verlauf des ersten Jahres noch so manches Mal ergehen: Völlig neuer Genuss am Gaumen, neue Texturen und neue Rezepte. Weil manche Ernte später dann einfach sehr, sehr üppig ausfiel....

Um unsere Kulturen - vor allem die empfindlichen wie frisch gesetzte Salatpflänzchen - vor der Kälte der Eisheiligen zu schützen und auch vor dem Austrocknen durch den starken Wind im Frühjahr, bedeckten wir unsere Parzellen mit Vlies. So hatten es die Jungpflanzen warm und waren zudem vor bissigen Wildkaninchen, die besonders gerne zartes Jung-Grün mümmeln, geschützt.

 

Auch an anderer Stelle steckten erste grüne Triebe den Kopf durch die Erdkrume und der Bauwagen im Hintergrund wurde uns - wohl gefüllt mit allen erforderlichen Werkzeugen - zur Verfügung gestellt. Damit wir die Erde lockern, Unkräuter jäten und unsere Saaten gießen konnten. Denn eines lernten wir schnell: Feine, gut gehackte und feinkrümelige Erde nimmt mehr Wasser auf und hält es besser. In den ersten Wochen galt es also, die Grundlagen der Erdbeschaffenheit zu erfahren und fleißig die uns teils neuen Werkzeuge einzusetzen.